Freitag, 29. Dezember 2017

An der Nordsee hellem Strande – Seltsame Fundstücke


Im Sommer 2017 war ich mit der Familie in Dänemark. Strand, blaues Meer, Muscheln sammeln, mit den Kindern im Sand buddeln - ein Traum für viele Urlauber.
Im Vergleich zu Deutschland oder anderen Inseln, von denen man schon einmal Fotos gesehen hat, sind die Strände an der dänischen Nordseeküste wirklich sehr sauber und aufgeräumt. Fast überall sieht es so aus wie hier auf den folgenden Bildern.


Bei einer Strandwanderung entdeckte ich allerdings eine ganze Menge Plastikmüll. Handschuhe, Eimer, Kanister, Netze und Seile.











Sicher, die See ist rau und solche Dinge fallen auch schon einmal bei starkem Seegang von einem Schiff herunter. Vor allem, wenn man sie vorher nicht richtig festgebunden hat.
Die meisten Sachen werden ja irgendwann zurück an den Strand gespült und können dort aufgelesen werden.

Viel interessanter sind jene Sachen, die nicht vom Meer kommen sondern an den Strand geworfen wurden. Badelatschen, Plastetüten, Flaschen, Picknickmüll, Buddelförmchen und Sandschaufeln.






Und das ist an den wenig besuchten Stränden, an denen ich war noch nicht einmal ganz so schlimm wie an den viel besuchten Stränden der Hauptferienorte. Hier sind wir gefragt. Es ist unsere Aufgabe unseren Müll auch wieder mitzunehmen.

Völlig fassungslos war ich über einen großen Kühlschrank, der am Strand lag.


Für diesen Müll sind weder nachlässige Strandbesucher noch starker Seegang verantwortlich. Hier handelt es sich schlichtweg um die illegale Entsorgung von Sperrmüll, noch dazu giftigen Sperrmüll, Stichwort FCKW.

Viel schlimmer fand ich aber diese sandfarben Klumpen, die überall am Strand herumlagen. Sie waren relativ weich und ließen sich eindrücken, sie hatten etwa die Konsistenz von Paraffin und rochen wie eine Tankstelle. Ich wusste erst nicht was das ist, als ich es fotografierte. Aber später machte ich mich darüber kundig und entdeckte zahlreiche Internetartikel zu diesem Thema. 2016 wurden scheinbar größere Mengen davon an den Stränden gefunden. Borkum, Sylt, Rügen, kaum eine deutsche Insel blieb verschont. Forscher gingen der Sache nach und fanden heraus, dass es sich um Erdölprodukte aus Tankern handelt. Dabei handelt es sich nicht um Treibstoff, sondern um Paraffine für Pharmazeutika und Kosmetika. Nachdem die Ladung gelöscht wurde und die Tanks im Hafen grob vorgefertigt wurden, dürfen die Schiffe in der Küstenzone ab einer bestimmten Wassertiefe die Reste der Erdölprodukte ganz legal aus den Tanks spülen. Bei entsprechenden Wind-und Wellenverhältnissen findet sich dieses Paraffin wenig später an den Stränden wieder.


Warum das alles für uns so gefährlich ist? Plastik braucht sehr, sehr lange, um sich zu zersetzen, nämlich mehrere 1000 Jahre. Die Tiere und auch wir Menschen müssen allerdings schon heute damit leben. In den Dünen Dänemarks und den kleinen Wasserbecken an den Stränden leben zahlreiche kleine und große Tiere.









Auch Vögel brüten hier. Für sie und für die Fische besteht Gefahr durch herumtreibenden Netze. Sie können sich darin verfangen und müssen dann jämmerlich sterben.

Besonders gefährlich ist allerdings das Mikroplastik. Sie befindet sich hauptsächlich in unseren Cremes, Peelings oder Zahnpasta. Mikroplastik kann von den Kläranlagen nicht aus dem Abwasser gefiltert werden. Es gelangt ungehindert ins Meer. Ebenso auch die kleinen Plastikteilchen, die von größeren Plastikteilen in den Meeren abbrechen und von Wellen und Wind kleingerieben werden. Diese winzigen Plastikteilchen gelangen in die Nahrungskette.
Fische nehmen es mit der Nahrung auf, denn es befindet sich mittlerweile mehr Mikroplastik in der Nordsee als Plankton, was die Hauptnahrung vieler Meeresbewohner ist. Forscher schätzen, dass jährlich über 6 Millionen Tonnen Müll in unseren Meeren landet. Das Mikroplastik landet in den Mägen der Fische. Sie können es aber nicht verdauen. Die Folge sind satte Fische, die verhungern. Immer wieder finden Fischer zahlreiche Fische mit Mägen voller Plastik. Das betrifft nicht nur kleine Fische, sondern auch bedrohte Arten, wie Delphine und Wale.

Auch für den Menschen ist die hohe Konzentration an Plastik in unseren Weltmeeren gefährlich. Wenn wir Fische fangen und essen, dann gelangt dieses Mikroplastik auch in unseren Magen. Das ist sehr schädlich für uns. Mittlerweile befindet sich Mikroplastik sogar in unserem Trinkwasser. Und es wurde auch schon in Honig und Bier nachgewiesen. Die Auswirkungen dieser großen Mengen von Plastik sind bisher kaum erforscht. Zurzeit wird daran geforscht, ob auch wir Menschen, wie zum Beispiel Muscheln, dass Mikroplastik in unserem Körper ansammeln. Das kann zu Entzündungen und Vergiftungen führen kann. Forscher prüfen zurzeit, ob Mikroplastik-Partikel, die sich zwischen unseren Zellen angelagert haben, die Kommunikation zwischen den Zellen stören.
Was in den Meeren ist, kommt irgendwann zu uns zurück. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu handeln. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man Plastik und Mikroplastik im Alltag vermeiden kann, und damit die Müllmenge reduziert. So müssen weder Tiere noch Menschen leiden.

Donnerstag, 2. November 2017

Wie Puppen unsere Gesellschaft beeinflussen



Zwischen 2014 und 2015 kam eine neue Puppe auf den Markt: „Lammily“. Sie sah ganz anders aus, als die bisherige Barbie. Damals ging ein Youtube-Video viral, das zeigte, wie Grundschüler auf diese Puppe reagieren. Und das war wirklich erstaunlich. Dieses Video inspirierte mich zu diesem Blogbeitrag.

Wer ist eigentlich diese Barbie??
Die Barbiepuppe, wie wir sie bisher kennen kam 1959 als sogenannte Modepuppe auf den Markt, also als Ankleidepuppe, mit dem Fokus auf das Wechseln der Kleidungsstücke. Barbiepuppen hatten jahrzehntelang etwa das gleiche Aussehen: Übergroße Augen, eine viel zu dünne Taille, einen unnatürlich langen Oberkörper und unnatürlich lange Beine. Die Puppe wurde im Maßstab 1:6 konstruiert. Ihre Maße entsprechen in unsere Welt übertragen den Maßen 99-46-84 - also eher dem männlichen Fantasiefrauenbild als echten Frauen.


Eine schlanke Frau, die unbedingt aussehen wollte wie Barbie, ließ hunderte von OPs an sich durchführen, um dieser Figur zu ähneln. Dazu passt auch das Image von Barbie: Die reiche Jetsetterin, die sich teure Kleidung leisten kann und als Model erfolgreich ist.
Barbie durchsättigte in 50 Jahren den weltweiten Markt und beeinflusste auf diesem Weg unzählige junge Mädchen.

Wie kann eine Puppe eine Gesellschaft beeinflussen?
Rollenbilder werden erlernt, sie sind nicht angeboren. Ursprünglich gab es nur Babypuppen, die zum Einüben der Mutterrolle dienen sollten. Mit der Emanzipationsbewegung, die Anfang der 1960er begann, wollten Frauen sich nicht mehr allein auf die Mutterrolle festlegen lassen und andere Berufsbilder erobern. Dass eine Frau auch eine erfolgreiche Sekretärin, Bäckerin oder  Astronautin sein kann, wollte man auch den Mädchen beibringen. Und eigentlich war die erwachsene Barbie dazu gedacht eine Alternative dazu zu bilden, es gab für sie 1961 sogar mal eine Doktorrobe mit Doktorhut. Allerdings änderte man dieses Frauenbild wieder kurz nach dem Ende der 60er, indem man Barbie keiner Berufsgruppe mehr zuordnete, sondern Hobbygruppen, wie Sport, Tierliebe, Popkultur, Musik oder Frisuren. Fortan definierte sich Barbie nur noch über ihr Hobby und nicht mehr über ihren Beruf. So wurde sie zu einem Sinnbild der Oberflächlichkeit der Konsumgesellschaft. Sie hatte ein Haus, ein Auto, einen Mann und aufwendige Hobbies.


 Die nie durchgeführte Groß-Studie
Über ein paar Jahre kann das alles gut gehen, aber die modevernarrte Barbie prägte mehrere Generationen an Mädchen mit ihrem Image einer erfolgreichen Frau.
Kinder sind beeinflussbar. Und Barbie ist eine Vorbildperson.
Wie Barbie ist
Was Kinder daraus lernen
Modevernarrt,
hat viele Marken-Kleidungsstücke
Man braucht viele Kleidungsstücke,
nur Markenkleidung ist ok
Hat einen Mann
Man braucht so früh wie möglich einen Freund
Hat viele Freundinnen
Man muss viele Freundinnen um sich scharen, um erfolgreich zu wirken
Geht auf teure Partys
Man muss jeden Abend auf eine Party gehen
Ist irre schlank
Nur dünne Frauen sind erfolgreich
Hat immer Makeup im Gesicht
Man muss sich stets schminken, bevor man das Haus verlässt
Hat lange blonde Haare
Haare blond färben, sobald es die Eltern erlauben
Ist knapp bekleidet, um sexy zu wirken
Wenn man kurze Sachen anzieht und viel Haut zeigt, ist man erfolgreicher
Hat keine eigenen Kinder
Auf eigene Kinder verzichten
Ist ewig jung
Bloß nicht altern (Falten wegschminken)
Es gibt viele Zubehörteile
Man braucht viele Accessoires
Hat teure Hobbies
Man definiert sich über seine Hobbies, nicht über Erfolg im Beruf

Fazit
Heraus kommt ein junges Mädchen, dass sich die Haare färbt und dick schminkt, nur Markenkleidung trägt und ständig neue kauft und haufenweise Schuhe, Ringe, Ketten und Haarschmuck benötigt. Ein Mädchen, dass unbedingt dünn bleiben will (immer wieder wurde der Vorwurf erhoben, Barbies Figur könne Essstörungen auslösen), sich nuttig anzieht, dass mit 10 den ersten Freund hat, mit 11 das erste Mal Sex und dass spätestens mit 12 einfordert auf Partys gehen zu dürfen. Eigene Kinder will das Mädchen nicht haben, die stören nur beim Lifestyle.

Oh, es gibt tatsächlich Studien
2012 wurden für eine Studie 60 Mädchen im Alter von sechs bis neun befragt. Ihnen wurde eine Anziehpuppe aus Papier mit engen „sexy“ Klamotten und eine Puppe in modischen aber „lockeren“ Outfit gezeigt. 68 % von ihnen wollten so aussehen wie die sexy-Puppe und 72 % dachten, sie würden „beliebter“ sein, als die lockere Puppe. Das ist nur eine Studie mit kleiner Teilnehmerzahl und ohne dreidimensionale Puppen, aber die Resultate zeigen schon, wie kompliziert es ist, kulturelle Trends zu ändern.


 Von Generation 1 zu Generation 2
Kinder, die so aufgewachsen sind – die man so aufwachsen ließ – werden es mit ihren eigenen Kindern genauso halten. „Dann ist die Kleine halt mit 12 mal bei ner Party in der Stadt, dann hat man seine Ruhe.“ Selbst wenn das Mädchen eine entsprechend hohe Bildung genossen hat und im Laufe ihres Lebens gelernt hat, dass nicht alles bling-bling ist, wie bei Barbie, wird ein Mädchen, was ausschließlich mit solchen Puppen gespielt hat, diesem Rollenbild nacheifern. Warum denn auch Astronautin werden, wenn man Model werden kann, warum Chemikerin werden, wenn man Schauspielerin werden kann, warum Ärztin werden, wenn man reich heiraten kann und als Hausfrau viel mehr Zeit für seine Hobbies hat?

Emanzipation für den Arsch
Der Gesellschaft der ersten Welt gehen die Akademikerinnen aus. Der Gesellschaft der ersten Welt gehen die Mütter aus und damit auch die Kinder. Der Prozess ist schleichend, aber vorhanden. Und es ist nicht allein Barbie schuld, es ist teilweise auch das bildungsferne TV-Programm von RTL gewesen. Aber unsere Gesellschaft ist im Wandel und zwar weg von der Emanzipation der Frau im Beruf.


Und die Männer?
Jungs spielen nicht so häufig mit Puppen, wie Mädchen. Ob Ken nun für Jungs zum Spielen ist oder für Mädchen, um ihrer Barbie den passenden Mann zu geben, so genau weiß das keiner. Aber gleiches Prinzip für alle. Ken ist ein schlanker, muskulärer Surferboy mit perfektem Haar – und perfekten Markenklamotten. Auch er wirkt auf Jungen als ein Vorbild. Jungs, die mit diesen Puppen aufgewachsen sind, lassen wiederum nur Freundinnen zu, die aussehen, wie Barbie: hautenge Klamotten, hochgestylt, mit Tonnen Makeup zugeklatscht und voll auf ihre Hobbys oder ihre Modelkarriere fixiert. Vielmehr beeinflusst aber auch Ken das Bild der Mädchen in ihrer eigenen späteren Partnerwahl. Nur solche Sunnyboy-Kens werden als Partner akzeptiert. Ob nun aber solche Kerle geeignet sind ein Kind großzuziehen, darf bezweifelt werden.

Eine Gegenbewegung setzt ein
Die Künstlerin Wendy Tsao hat gesagt: „Puppen haben eine enorme Bedeutung für unsere Kinder. Die meisten Figuren sind allerdings fiktionale Figuren […] Dabei gibt es auch im echten Leben Helden und Heldinnen. Wäre es nicht wertvoller, wenn Kinder vermehrt durch solche Figuren beeinflusst und inspiriert werden?“ Deshalb hat sie bei stark geschminkten Plastikpuppen das Makeup entfernt und sie im Stil berühmter beruflich erfolgreicher Frauen oder Menschenrechtsaktivistinnen frisiert und angezogen. Hier ansehen!!!

Und dann kam Lammily
„Lammily“ heißt die realistisch proportionierte Puppe, die euphorisch als „Barbie Alternative“ angepriesen wurde. Kinder einer zweiten Klasse wurden befragt was sie von ihr halten, die Reaktionen sind verblüffend:
„Sie sieht so hübsch aus! Ihr Haar ist so weich.“
„Sie sieht aus wie meine Schwester.“
„Sie sieht mehr wie eine realistische Person aus.“
Gefragt nach den möglichen Karrieren von „Barbie“ und „Lammily“ sagten die Kinder:
zu Lammily:
Und zu Barbie:
„Eine Lehrerin.“
„Modefreak.“
„Sie arbeitet in einem Computerjob“
„Eine Maskenbildnerin“
„Eine Piratin.“
„Ein Model.“
Alle Kinder sagten aber am Schluss auf die Frage, welche der beiden Puppen wie sie selbst zu sein scheint: „Lammily“


Können wir also den Kreislauf noch aufhalten?
Vielleicht ist die Welt ja heute reif für eine neue Puppe mit normalen Maßen und normalgroßen Augen, hofft Nickolay Lamm, der Lammily designt hat.
Auch wenn das Video mehr gedacht war als ein Webevideo, sind es doch die ehrlichen Äußerungen von Kindern, die gern mit Puppen spielen. Sie sehen in Lammily eine Puppe, die genauso ist, wie sie, eine normale Person. Barbie ist irgendwo in den 70ern in der zweiten Feminismuswelle steckengeblieben – emanzipiert, eine Rebellin mit eigenem Auto und Haus, die sich nicht in die Mutterrolle pressen lässt. Aber sie ist nicht die Puppe, die Kinder heute brauchen, um sich mit der werbeüberladenen Welt um sich herum auseinandersetzen zu können. Kinder brauchen gerade heute eine Puppe, die ihnen zeigt, dass man gut ist, so wie man ist und sich nicht verändern (lassen) muss, um in irgendwelche Rollen zu passen. Wir müssen heute unseren Kindern zeigen, dass es nicht cool ist sich in Fantasiewelten zu flüchten, sondern, dass auch die Realität Spaß machen kann.



Bildnachweise:




By Librarygurl (Own work) [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons




By Mike Mozart [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons




By A.J. (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons




von Antony555 (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons