Freitag, 5. Juni 2015

Beobachtung eines Massenmordes - Bärlauch hilft heilen, nicht abmähen, bitte!



Wenn man im Frühling mit dem Fahrrad durch Leipzigs Parks und Wälder fährt, riecht man ihn eigentlich schon von weitem: Den Bärlauch. In breiten Teppichen wächst diese Pflanze hauptsächlich in den alten Auwäldern Leipzigs, die noch zu den Urwäldern Deutschlands zählen. In diesen krautreichen, schattigen Laubwäldern aber vor allem an Bachtälern und in der Nähe von Flüssen ist er zu Hause. Er bevorzugt feuchte Gebiete. Im April bis Mai bedeckt ein Meer an weißen Blüten den Waldboden und es riecht stark nach Knoblauch. Und ab Juni etwas nach Schwefel.


Der Name Bär-Lauch (Allium ursinum) kommt von den Bären, die den Bärlauch im Frühling aßen. Aber Bärlauch hat noch viele andere Namen. Die Pflanze gehört zur Gattung Allium und zur Familie der Amaryllisgewächse. Nördlich der Alpen kommt er eigentlich in ganz Europa vor und ist bis nach Kleinasien verbreitet bis in eine Höhe von fast 2000 Metern. In Deutschland ist er eher an den Rändern und in den Tiefen Senken und Tälern der Mittelgebirge zu finden.
Wenn er wächst, dann in Massen. Elster, Pleiße und Luppe bieten dem Kraut in Leipzig den idealen Nährboden. 2010 bis 2012 wurde gar eine massenhafte Verbreitung und rasantes Wachstum attestiert. Trotz dieser hohen Verbreitung wird er in einigen Bundesländern in der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ geführt.

Immer beliebter wird der Bärlauch jedoch in der Naturküche. Ob in der klassischen Bärlauchbutter oder als Wildgemüse, als Pesto oder als exotisches Gewürz.

Zudem ist der Bärlauch sehr gesund. Ihm wird eine große Heilwirkung nachgesagt. Bärlauch hat ähnliche Heilkräfte, wie Knoblauch, aber bedeutend stärker, da sein Adenosingehalt wesentlich höher ist. Das fördert die Durchblutung und weitet die kleinen Gefäße. Auch andere Gefäß- Kreislauf- und Durchblutungsleiden kann Bärlauch abmildern. Er hilft hohen Blutdruck zu senken oder gegen Ablagerungen in Arterien.
Schon die alten Römer haben die regulierende Wirkung auf den Fettstoffwechsel erkannt. Als Fettlöser hilft er bei der Entgiftung und Ausleitung von Schwermetallen (für alle, die noch Amalgam im Mund haben) und hilft damit Nieren und Leber. Er hilft gegen zu hohen Cholesterinspiegel oder Wurmbefall Er regt Magen und Darmtätigkeit an, mit seiner antibakteriellen Wirkung gegen Hautkrankheiten, er gilt als Blutdrucksenkend, verbessert die Lymphzirkulation, die Blutqualität und hebt den Eisengehalt im Blut. Die hohen Gehalte an Vitamin C, Mineralsalzen, Spurenelementen und Schleimstoffen fördern eine Abheilung von Atemwegen. Und darüber hinaus soll Bärlauch auch eine aphrodisierende Wirkung haben

Durch welche Stoffe der Bärlauch genau seine Heilwirkung entfaltet, wie man ihn am besten verwendet und gegen welche Krankheiten und Leiden er konkret hilft, kann man unter diesen fünf ausgezeichneten Links nachlesen:

Bärlauch als altes Hausmittel in der Frühjahrszeit

Bärlauch und wogegen er alles hilft


Deshalb ziehen wir Deutschen immer öfter im Frühling in den Wald zur Ernte der begehrten Blätter. Doch hier ist Einhalt zu gebieten. Bärlauch steht zwar nicht unter strengem Naturschutz, aber innerhalb von Naturschutzgebieten, wie den meisten Auwäldern, ist das Pflücken eigentlich nicht gestattet. Und auch außerhalb von Naturschutzgebieten gilt ein Mindestschutz, der untersagt „ohne vernünftigen Grund wildlebende Pflanzen von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten“ sowie deren „Lebensstätten zu beeinträchtigen oder zu zerstören“ (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz). Deshalb ist es nur gestattet einige wenige Blätter für den eigenen Tagesbedarf zu pflücken. Ausgraben oder ganze Flächen leerpflücken ist streng verboten. Für die Ernte größerer Mengen ist eine Genehmigung des Fortsamtes nötig. Gewerbliche Ernte muss ebenfalls behördlich genehmigt werden.

Vorsicht übrigens beim Pflücken. Bärlauch kann schnell mit Märzenbechern, Maiglöckchen oder der Herbstzeitlosen verwechselt werden. Und zumindest Maiglöckchen sind tödlich giftig. Deshalb vorher nochmal nachlesen, wie man sie unterscheidet. Und nach dem Pflücken die Blätter immer gut Abwaschen. Gefahr droht hier durch den Fuchsbandwurm. Sollte es nach dem Essen zu Durchfall und Übelkeit kommen, lieber sofort einen Arzt aufsuchen.

Der gesamte Leipziger Auwald ist Landschaftsschutzgebiet. Hier darf der Bärlauch weder gepflückt, noch gerodet und schon gar nicht entfernt werden. Das hat das Leipziger Amt für Umweltschutz festgelegt. Umso unerklärlicher ist also, was gerade in den Rändern eines bekannten Radweges durch den Auwald stattfand.

Hier hat die Stadt mit Mähgeräten (ich habe diese selbst bei der Arbeit bzw. Tat beobachtet) den Randstreifen mähen lassen. 
Sonst eine übliche Handhabung entlang von Straßen. Allerdings ist dies dort aber keine Straße und dort wächst auch kein Gras, sondern eine seltene schützenswerte Pflanze. Nichts rechtfertigt es an dieser Stelle fast 2 m Auwald wegzumähen.
Eine Unverschämtheit, wie ich meine. Und eine andere Sache bedroht den Bärlauch in Leipzigs Auewäldern. Der Giersch ist auf dem Vormarsch und verdrängt die Bärlauchpflanzen vielerorts.
(Junge Gierschblätter sind übrigens auch essbar – falls jemand jetzt das Bedürfnis verspürt, den Bärlauch zu retten)
Wer sich Bärlauch in den heimischen Balkonkasten setzen möchte, kann Setzlinge in Gärtnereien erwerben. Auch im Garten wächst Bärlauch unter gewissen Bedingungen sehr gut.
Weiteres Wildgemüse steht in unseren Wäldern unbeachtet am Wegesrand. Das Hortipendium hat dazu eine kleine Auswahl an leckeren Sorten zusammengestellt.

Bildnachweise:




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