Freitag, 4. September 2015

Die Lösung für die Frage nach dem richtigen Wort für „keinen Durst mehr haben“ oder „nicht mehr durstig sein“



Wie nennt man es, wenn man keinen Durst mehr hat? Kleiner Tipp: „sitt“ ist es nicht. Dabei gibt es eine ganz einfache Lösung für dieses Wortproblem. Welche? Einfach weiterlesen!

Seit 1999 der Eisteehersteller Lipton und der Dudenverlag einen Wettbewerb ausrichteten, um die Bedeutungslücke für „keinen Durst mehr haben“ oder „nicht mehr durstig sein“ im Deutschen zu füllen, kennen wir das Wörtchen „sitt“.
Sitt ist leicht sprechbar, klingt ähnlich, wie satt, ist leicht zu beugen und zu steigern und lässt sich mühelos flektieren. Zudem bedeutet das lateinische "sitim sidare" "den Durst löschen".
Dumm nur, dass es keiner verwendet.

Worte kann eben keiner einfach bestimmen. Schon der Philosoph Ludwig Wittgenstein sagte:
„Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“
Anders gesagt: Erst unsere Verwendung eines Wortes im alltäglichen Gespräch gibt dem Wort seine Bedeutung.

Der Tatsache war sich Matthias Wermke, Leiter der Duden-Redaktion durchaus bewusst, als er die Findung des Wortes sitt kommentierte: „Ob das Wörtchen allerdings Eingang in den Duden findet, hänge davon ab, ob die Sprachgemeinschaft es verwendet: "Wir können ja nicht diktieren, wie die Sprache aussehen soll, sondern nur beobachten, wie sie verwendet wird.“

Wie man in meinem Blogpost über frühere Neologismen nachlesen kann, versuchten schon vor hundert oder zweihundert Jahren Menschen bestimmte Wörter in die deutsche Sprache einzubringen. Nur wenige hatten Erfolg.
Auch heute noch gibt es Worte, die versuchen ihren Weg in die deutsche Sprache zu finden oder versuchen drin zu bleiben oder Gegenstände, die eine Bezeichnung suchen.
Bis heute konnte sich sitt nicht wirklich durchsetzen, in Wörterbüchern wird es nicht geführt.
Gelegentlich wird satt ebenfalls als Gegenbegriff zu durstig verwendet.

Bei dem Wettbewerb, den sitt gewonnen hat, haben rund 100.000 Menschen rund 45.0000 Vorschläge eingesandt. Darunter waren Worte, wie "gewässert", "gelöscht", "abgefüllt", "nimedu" (für "nicht mehr durstig"), "dulo" (für "durstlos"), "trinksatt", "gelabt", „gecoked“, „liptoniced“, „getränkt“, „soff“, „sattgetrunken“, „antidurstig“, „börps“, „burps“, „plopp“ oder „öff“, was Klaus Jansen sogar versucht wissenschaftlich herzuleiten.

Statt sich aber eines Kunstwortes zu bedienen, könnte man sich einfach auf bestehende Wörter beziehen. Das Deutsche kennt nämlich bereits ein Wort für nicht mehr durstig sein. Es hat nur seine Bedeutung verloren bzw. die Bedeutung wurde verschoben.
Dieses Wörtchen heißt „still“.
Wenn man ein Kind stillt, stillt man seinen Durst. Wer eine Flasche Wasser trinkt, stillt ebenfalls seinen Durst. Das korrekte Verb für „nicht mehr durstig sein“ wäre also: Ich bin still bzw. gestillt.
Die Frage ist, warum kaum noch einer die Bedeutung kennt. Einige vermuten, es könne daran liegen, dass es – im Gegenteil zu satt - keine körperliche Empfindung gibt, die mit einem Begriff beschrieben werden müsse. Doch da uns die Frage nach dem richtigen Begriff nach wie vor umtreibt, scheint diese körperliche Empfindung ja doch von gesteigerter Bedeutung zu sein.
Über solche Probleme können auch nur Deutsche nachdenken. Millionen Menschen weltweit leiden unter Durst. Sie werden so ein Wort niemals brauchen. Und auch im Rest der Welt wird Wasser langsam zur Mangelware. Also einfach eine Weile warten, dann löst sich das Problem fast von selbst.

Auf der anderen Seite steht die Frage, was so schlimm daran ist, eine Phrase als Umschreibung eines Begriffes zu verwenden. In Redewendungen oder Redensarten begegnen uns solche Phrasen tagtäglich. Sie gehören zu unserer Sprache, wie alle anderen Begriffe auch. Und auch Phrasen haben ihre Bedeutung durch Ihren Gebrauch in der Sprache bekommen.


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