Freitag, 7. August 2015

Wohnung malern und renovieren – 10 wertvolle Tipps, die man beherzigen sollte



Alles Wissenswerte rund ums Malern, Tipps und Tricks, Zahlen und Fakten und nicht zuletzt meine eigenen Erfahrungen beim Malern, Tapezieren und Renovieren – darum geht’s in diesem Blogpost. Jeder, der vorhat demnächst eine Wohnung zu Malern und noch keine Erfahrung hat, sollte sich diesen Blog-Post auf jeden Fall zu Herzen nehmen.

Der Umzug in die erste eigene Wohnung oder das erste Mal der Umzug in eine Selbstrenovierer-Wohnung verlangt den meisten Menschen Fähigkeiten ab, die sie nie gelernt haben. Weder Schulen noch besorgte Eltern haben uns auf diese Dinge vorbereitet.
Malern, Tapezieren, Kitten, Fliesenfugen erneuern, Löcher verspachteln, Altkabel identifizieren, Lampen montieren, Bohren, Schrauben, Hämmern und Nagelziehen – kurz, das 1 x 1 des Renovierens.

Hier sind 10 Punkte, auf die man beim Malern und Renovieren einer Wohnung achten sollte.

1.   Die Wände vorbereiten
Besonders bei Altbauten ist der Putz an den Wänden häufig schon sehr locker. Das Klopfen an die hohl klingende Wand enttarnt nicht immer nur Tresore und geheime Gänge, sondern häufiger nur lockeren Putz. Das macht später Tapezieren und Malern und vor allem Bohren echt schwierig. Kleine lockere Stellen sind in der Regel aber kein Problem, wenn man genügend Spachtelmasse im Haus hat – und eine Acrylspritze.
Blanke Wände ohne Tapete sind einfach zu malern. Bevor man an eine solche Wand aber eine Tapete klebt, muss man sie mit Tapetengrund auf den Leim vorbereiten, denn eine frische Wand saugt viel Leim auf und die Tapete bleibt leimlos zurück und fällt. Dies gilt dann natürlich besonders für frisch geputzte oder frisch zugespachtelte Stellen.
Dispersionsfarbe hat eine Eigenschaft Wasser in beide Richtungen durchzulassen. Das funktioniert auch in Bad und Küche, wo häufig mal höhere Luftfeuchte herrscht, es entbindet einen aber nicht gänzlich vom gelegentlichen Lüften, denn von zu viel Wasser wird der Putz weich. Und weicher Putz sollte dringend abgetragen und neu gemacht werden.

2.   Die genauen Maße nehmen
„Pi mal Daumen funktioniert beim Kochen und Backen aber nicht beim Malern und Tapezieren.“ Das sind so die Sprüche der meisten Eltern.
Vergesst das Rechnen vorerst, denn ihr braucht eh am Ende mehr, als ihr ausrechnet.
Es gilt zunächst einmal zu überlegen, was gemacht werden muss.
Will man wirklich jeden Raum neu tapezieren oder reicht es einfach drüber zu malern? Hält die Tapete noch eine Schicht Farbe aus, oder biegt sie sich schon  nach außen? Möchte man den ganzen Raum malern oder nur die Wände?
Und dann kann man anfangen mit Rechnen. Wandlänge 1 mal Raumhöhe, Wandlänge 2 mal Raumhöhe, usw. Die Decke ist gleich der Grundfläche. Abgezogen werden Türen mit rund 2 Quadratmetern pro Tür oder Fenster. Pauschal sind in einem 15 Quadratmeter großen Raum mit 2,80 Metern Höhe mit Decke etwa 60 Quadratmeter Fläche zu streichen. Minus 1 Tür und 2 Fenster sind es immerhin noch 54 Quadratmeter. Schornsteine kann man ignorieren beim Berechnen, konkav oder konvex macht in Quadratmetern eh keinen Unterschied. Und da ihr sowieso mehr braucht, kauft ihr trotzdem Farbe für 60 Quadratmeter.

3.   Farbverbrauch und Deckkraft
Generell wird gesagt, dass man etwa 7 Quadratmeter mit 1 Liter Farbe streichen kann, oder 1 Quadratmeter mit 150 Millilitern Farbe. Das muss man dann einfach umrechnen. 60 Quadratmeter sind also rund 8,5 Liter Farbe. Wenn man am Ende auf Zahlen kommt, wie 36,5 Liter, dann kauf bloß nicht drei 10-Liter-Eimer und einen 8-Liter-Eimer. Geh auf Nummer sicher und kauf vier 10-Liter-Eimer. Man braucht eh immer mehr Farbe (siehe Zweitens). Bei Fenster und Türenfarbe ist der Verbrauch nicht ganz so hoch. Für 4 Fenster braucht man rund 1 Liter Farbe.
Diese Faustregel mit dem Farbverbrauch bei Wandfarbe gilt aber auch nur, wenn man Farbe mit Deckkraft 1 wählt. Deckkraft 2 oder noch weniger bedeutet dann eben auch zweimal oder dreimal Streichen. Die Farbe mit Deckkraft 1 kostet zwar auch mehr aber Zeit ist bekanntlich auch Geld.
...guck mal, wie schön das deckt...
Außerdem ist Farbe mit Deckkraft 1 die beste Wahl für das Streichen von farbigen Wänden. Die Farbe aus dem Baumarkt ist fertig angemischt und braucht nicht verdünnt zu werden. Sie deckt so einwandfrei mit einmal anstreichen die meisten helleren Farben ab (siehe Foto). Über dunkelblaue oder schwarze Flächen sollte man eventuell zweimal drüber gehen.

4.   Das bisschen Farbe, das kostet doch ni…..WAAAAS, so teuer???
Selbstrenovierer-Wohnungen sind oft besonders günstig. Man sollte wissen, dass die Kosten für eine Renovierung nicht ohne sind, auch wenn sich die anfänglichen Kosten dann im Laufe der Zeit durch eine geringere Miete amortisieren.
Nicht überrascht sein, aber ein 10-Liter-Eimer weiße Farbe kostet in der Regel um die 40 Euro. Für eine ganze Wohnung mit 5-6 Räumen und Flur sollte man also schon mal mit 200-250 Euro rechnen. Hinzu kommt noch das ganze Zubehör (siehe Fünftens).
Auch Tapeten sind nicht gerade billig. Je nach Qualität, Bedruckung und Relief der Tapete können diese zwischen 17 und 40 Euro pro Rolle (!) kosten. Und Tapete braucht man für einen Raum eine gaaaaanze Menge. Handelsübliche Tapeten haben eine Breite von 54 Zentimetern und eine Länge von 10 Metern. Für einen ca. 15 Quadratmeter großen Raum mit 2,80 Metern Höhe braucht man (ohne Decke) ca. 30 Bahnen Tapete, insgesamt etwa 83 Meter, abzüglich 1 Tür und 2 Fenstern immer noch 79 Meter, also rund 8 Rollen. Wenn man neben weißer Farbe auch noch bunte Akzente setzen will, wird’s noch teurer und müssen dann auch noch die Fenster gestrichen werden, einige Wände oder Ecken zugespachtelt oder ausgeglichen werden, explodieren die Kosten.

5.   Rolle, Pad oder Pinsel?
Hammer, Kelle, Lot, Schnapspulle und Brot – braucht der Maurer, sagt das Sprichwort.
Und der Maler?
Farbrollen, Pinsel, Leiter und Abstreichgitter sind deine Freunde.
Wenn man mit der Rolle malert, geht’s schneller, als mit den neumodischen Streichpads. Die Dinger hab ich im Selbstversuch getestet, die taugen gar nix, man braucht ewig, sie klecksen und gehen schnell kaputt.
An die 20 verschiedene Ausführungen gibt es für Farbrollen, man kann‘s auch übertreiben. Die ganz dicken, plüschigen sind für Außenfassaden mit viel Relief, die anderen, etwa halb so dicken sind die richtigen für Raufasertapete. Ohne Abstreichgitter ist man verloren. Es ist sinnvoll, nutzt es! Abstreichgitter plus große und kleine Rolle (beide sinnvoll!) gibt es schon ziemlich günstig ab 5 Euro da ist die Qualität allerdings nicht so toll und man hat schnell die Fasern an der Wand kleben. Gute Mittelklasse ist die bessere Wahl.
Mit der Rolle werden oft einige Stellen nicht ganz abgedeckt, vor allem bei Raufasertapete dringen die Rollen-Fasern nicht immer zu den tieferliegenden Stellen durch, deshalb immer am nächsten Tag die Wände kontrollieren, wenn die Farbe trocken ist und ihre volle Deckkraft entfaltet hat, ob alles gleichmäßig Farbe abbekommen hat. (Zur Maltechnik gibt es viele ausgezeichnete Seiten.)
Besonders wichtig wird das in den Ecken und an den Kanten, hier gerne auch etwas mehr Farbe verwenden. Wichtig: Anfangs wirkt die Farbe noch dunkel bzw. durchscheinend, wenn sie feucht ist. Erst wenn Farbe vollständig getrocknet ist - also zwischen 6 bis 24 Stunden nach dem Streichen - wird klar, welche End-Farbe der Raum hat. Deshalb: Folien liegen lassen, man muss eventuell noch mal nachstreichen. Und für die kleinen Ecken hinter der Heizung an Heizungsrohren oder in den Ecken der Fenster ist ein Pinsel manchmal auch recht hilfreich.
Zum Umrühren der Farbe reicht ein einfacher Metallstab, den kann man danach aber nicht mehr anderweitig verwenden. Ein Teleskopstab für die Rolle sollte unbedingt dabei sein, eine Leiter braucht man eigentlich auch. Auch wenn der Teleskopstab viel schafft, für die Kanten zwischen Wand und Decke sind kleine Rolle und Pinsel samt Leiter die beste Variante. Ist die Decke oder Wand nicht absolut eben, dann rollt so eine Rolle nie gleichmäßig und erreicht manchmal gewisse Punkte gar nicht. Dolle aufdrücken hilft, das geht mit einem Teleskopstab aber nicht.

6.   Noch mehr Zubehör
Und dann braucht man noch viiiiieeel Malerkrepp. Ab drei Rollen aufwärts wird es sinnvoll. Malerkrepp benötigt man zum Abkleben all jener Stellen, die nicht gemalert werden sollen: Fensterrahmen, Türrahmen und Lichtschalter.
Egal, wie viel Mühe man sich gibt, ein Strich geht immer daneben – deshalb lieber kleben.
Es ist wirklich so, alles, was abgeklebt ist, wird die Farbe später nicht haben, alles, was nicht abgeklebt ist, hat die Farbe auch nicht. Kreppklebeband benötigt man pro Fenster 5,5 Meter, pro Tür 4,5 Meter und pro Doppelsteckdose 60 bis 70 Zentimeter. Vier Rollen sind für eine 80 Quadratmeter große Wohnung also gerade ausreichend, wenn man noch die Fensterrahmen streichen möchte.
Farbe spritzt IMMER, auch nichtspritzende Farbe spritzt, wenn man sie falsch aufträgt. Schutz von Haaren, Möbeln und Boden ist also immer oberstes Gebot.
Zum Bedecken von Laminat, Parkett, PVC, Teppich etc. gibt es ganz billig Abdeckfolie. Die kleinsten Folien sind 20 Quadratmeter groß (4 x 5 Meter). Dennoch bitte nicht glauben, dass man mit einer 20 Quadratmeter großen Folie einen 17 Quadratmeter großen Raum abdecken kann. Selbst wenn dieser annähernd 4 x 5 Meter Grundfläche hat, reicht die Folie immer nur sehr knapp. Grund ist, dass man sie auf die Scheuerleisten kleben muss, damit diese nicht Farbe abbekommen. Damit die Folie dann aber nicht in den Ecken spannt, muss man sie etwas in die Ecken drücken und verliert damit eine ganze Menge Fläche. Die Folie reißt außerdem sehr leicht. Ständig ist das Kreppband gefordert die Löcher achtlos verrückter Leitern wieder auszubügeln.
Hammer und Zange helfen bei wild herausragenden Dübeln und bei Nägeln. Schraubenzieher helfen bei plötzlich auftauchenden Schrauben vom Vormieter sowie dem Umklemmen von Lüsterklemmen, um auch im Dunkeln noch malern zu können. Eine Baulampe kann wirklich helfen, wenn das Tageslicht schnell weg ist. Das Handy reicht schließlich nicht ewig.
Das Kreppband lässt sich übrigens dort am schwersten ablösen, wo viel Farbe drauf ist. Es reißt dabei oft und ohne Spachtel ist das eine echte Plackerei.

7.   Das Geheimnis von Farbe und Kreide
Anfangs kauften wir eine Farbe, die sehr, sehr weiß war. Es war alles toll. Dann kam der letzte Eimer. Wir hatten die eine Wand noch nicht fertig und fingen den neuen Eimer an – und stellten fest, dass das Weiß ein anderes Weiß war, als das vorherige Weiß. Es war dunkler. Und man sah den Unterschied leider auch. Selbe Marke, selbe Literzahl, alles identisch. Was war schief gelaufen?
Im Baumarkt nachgefragt, sagte man uns, dass das je nach Charge daran liegt, welche Kreide der Hersteller der Farbe geliefert bekommt. Da kann der Weißton leicht variieren. Was lernen wir daraus?
1. Immer eine Wand mit der gleichen Farbe zu Ende streichen
2. Gleich am Anfang ausrechnen, wie viel Farbe man braucht und alles aus einer Charge einkaufen (die Chargennummer steht meist unter dem Eimer), lieber ein wenig mehr, als zu wenig (siehe Drittens), dann läuft man nicht Gefahr zwischendrin die Charge zu wechseln.

8.   Wilde Kabel
In Altbauwohungen oder sanierten Altbauten sind Kabel häufig nicht neu verlegt worden. Man hat früher öfter mal Kabel quer durch die Wand verlegt, um Kabel zu sparen. Außerdem kann man Kabel ebenso gut unterm Laminat entlang verlegen, durch tragende Wände hindurch und vieles mehr. Einige dieser Kabel sind  noch zweipolig – das heißt in Deutschland nicht mehr zugelassen.
Am besten zunächst prüfen, wo sie hingehen, dort mit dem Saitenschneider abtrennen und zuacrylieren. ABER ACHTUNG: Bevor man irgendwas an diesen Kabeln macht: Sicherung ausschalten! Unbedingt!
Bei wilden Kabeln kann man sich nie sicher sein, nicht eines in einer Wand zu erwischen, deshalb Strom lieber in einem anderen Raum mit einer anderen Phase anschalten und das Kabel bis zum Einsatzort verlegen und im Bohrraum die Sicherung rausnehmen. So ist man sicher vor bösen Überraschungen. Aber auch hier gilt: Bohrzeiten beachten!
Gebohrt wird nach dem Anzeichnen. Wer wenig Dreck machen möchte beim Bohren, hält am besten einen Staubsauger drunter. Hohl klingende Wände sind selten ein Garant für tragfähige Untergründe, lieber woanders bohren. Alte Häuser wurden meistens noch mit gröberem Putz als heute verputzt, Kieselsteine bis zwei Zentimeter Breite sind keine Seltenheit. Und dann kommt auch schnell der restliche Putz drumherum hinterher und ruckzuck hat man ein großes Loch. Die beste Wahl für große Löcher ist und bleibt Gips oder Spachtelmasse, für kleine Löcher, am besten das Loch von hinten bis vorn mit Leim aus einer Heißklebepistole befüllen und Dübel dann schnell in diese Masse drücken.

9.   Langläufige Waffen: Acrylspritzen
In einer Wohnung für Selbstrenovierer ist die Acrylspritze dein ständiger Begleiter. Kleine bis größere Löcher, besonders alte Schraublöcher und Löcher oder Enden von alten Kabeln lassen sich so schnell füllen. Weißer Acryl bietet sich bei weißen Wänden an. Durchsichtiges Silikon eignet sich dagegen für Spalten im Laminat, an den Türrahmen oder an Fensterbrettern ausgezeichnet zum Abdichten. Silikon ist meist weicher und lässt sich leichter verarbeiten, wenn man essigbasiertes Silikon kauft, ist der Geruch aber ziemlich penetrant. Zum Überstreichen einfach ein kleines Stück Papier auf das noch weiche Acryl drücken und schon kann man drübermalern.
Tipp: Nicht zu doll drücken und dicht am Holz arbeiten. Danach mit dem Finger glätten. Grundsätzlich vom Fenster zur Tür arbeiten, denn Acryl und Silikon brauchen 3-6 Stunden zum halbwegs raushärten. Dabei zieht es sich leicht zusammen, also lieber etwas mehr Acryl ins Loch spritzen, damit die Fuge dann glatt ist.

10.                    Tipps für die Pause
Pause macht man nur, wenn eine Wand fertig ist oder der Eimer leer – oder beides (siehe Siebtens). Anfangs einen Farbmischeimer zu haben ist echt was wert. Man muss nicht die schweren 10-Liter-Eimer auf die Leiter hieven – und hat später einen Eimer, um die Pinsel einzuweichen, wenn man Pause macht. Hebt euch leere Eimer auf, ihr braucht mindestens zwei oder drei davon, zum Anmischen von Leim, zum Anmischen von Spachtelmasse, zum Hände abwaschen, zum Pinsel einweichen etc. Den Pinsel komplett auszuwaschen lohnt sich nicht, es geht so viel Farbe verloren und es dauert bis so eine Rolle richtig ausgewaschen ist und außerdem muss die Rolle vor dem Malern eh wieder angefeuchtet werden. Also lasst die Rollen und Pinsel am besten gleich im Wassereimer stehen, das hält auch über ein paar Tage. Dann einfach auswringen und weitermalern.
Die Farbe reizt die Hände. Das kommt durch Kalk und Kreide. Daher nach dem Malern immer Hände eincremen. Beim Malern übrigens immer darauf achten viel zu Trinken, denn die Farbe reizt auch die Schleimhäute. Und nach dem getanen Werk, wenn ein Raum fertig ist, kann man sich auch mal ein Bierchen gönnen. 


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